Die neuen Nomaden der Meere | Interview mit Corentin de Chatelperron

Seine Leidenschaft ist das Meer. Seine Begeisterung gilt dem Low-Tech. Seine Motivation? Selbstversorgung. Sein neues Projekt: Rund um die Welt zu segeln, in drei Jahren, an Bord eines speziellen Katamarans, namens “Nomade des Mers”. Der 32-jährige Bretone Corentin de Chatelperron spricht in diesem Interview über sich … und natürlich über das gleichnamige Projekt.

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© Corentin de Chatelperron 

Guten Morgen Corentin … wie geht es Ihnen?

Hallo Andreas, mir geht es sehr gut … und da wir ja noch zu Beginn des Jahres sind … möchte ich Ihnen ein aufregendes Jahr wünschen.

Danke schön, das wünsche ich ihnen auch … und dazu noch ein klima-freundliches … und da wären wir bereits fast schon beim Thema. Wie weit ist ihr Projekt “Nomade des Mers” … wann werden Sie ablegen?

Wir waren bisher noch nie so nah an der Abreise. Das Boot ist fast startbereit, es fehlen nur noch ein paar Details im Equipment, darunter ein hydroponisches Pflanzenzuchtsystem, ein Elektrogenerator und ein kleines Gewächshaus … und natürlich alle anderen Lebewesen, die mich während dieser Reise begleiten … die Hühner, die Pflanzen und die essbaren Insekten … wenn alles gut läuft sollten wir etwa Mitte Februar ablegen.

Das Projekt sieht vor das die gesamte Bordverpflegung auf Selbstversorgung ausgerichtet ist. Ist das richtig oder wird zusätzliche Verpflegung eingeschifft?

Das ist korrekt, aber bis das Öko-System an Bord die einzige Verpflegungsgrundlage garantiert kann, bedarf es etwas Zeit, daher müssen wir für die erste Zeit, Reis und andere Keimlinge an Bord haben, damit wir einen Teil unserer Ernährung sicherstellen können.

Würden Sie das Energieversorgungssystem und das Low-Tech-System an Bord ihres Katamarans “Nomade des Mers” erklären?

Der “Nomade des Mers” ist mit Photovoltaik und Windkraftturbinen ausgestattet, aber all dieses Equipment sind Teil der neusten Generation. In unserem Low-Tech-Lab haben wir einen Generator gebaut, der gleichzeitig mit Sonnen-, Wind- und Wasserkraftenergie funktioniert und dabei in der Lage ist 12.000 Kilowatt-Stunden zu produzieren. Und um zusätzliche elektrische Energie zu produzieren. wird unsere Besatzung begeistert sein, zudem in unser entwickeltes Pedalsystem zu treten.

Neben dem Aspekt, der ausschließlich die Energieversorgung betrifft, werden wir mehr als 15 Low-Tech-Anlagen, wie Pilze, Insekten, ein Aquaponik-System, Hydrokultur und Aeroponik, Wasseralgen, wie die Spirulina und einen Hühnerstall an Bord haben. Und dann wird es ein Entsalzungssystem, ein Multifunktionspedal, ein Solar-Ofen und sogar Solartrockner geben. Alle diese Low-Tech-Ressourcen bilden ein ausgewogenes Ökosystem an Bord und sind völlig autonom.

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© Aquaponik / Hydrokultur Low-tech

Wer wird mit Ihnen an Bord sein?

Meine Abenteuer-Kamaraden sind Elaine und Pierre-Alain. Mit Beiden habe ich vor ein paar Jahren schon der NGO Gulf of Bengal zusammengearbeitet. Elaine war verantwortlich für die Kommunikation und die Aspekte in der Weiterentwicklung der NGO. Ausserdem ist sie Teil der Organisatorin der Expedition “Nomade des Mers”. Sie hat auch unser Projekt “Jute in Bangladesh” mitentwickelt und gemeinsam mit Pierre-Alain und mir hat sie das gegründet.

Welche Route habt ihr gewählt und welche Zwischenstopps sind vorgesehen? Was passiert während dieser Aufenthalte?

Diese Expedition soll drei Jahre dauern. Im ersten Jahr sind Aufenthalte in Marokko, Senegal, Guinea, Kapverden, Brasilien, Südafrika, Mosambik, Madagaskar, Indien, Sri Lanka und Indonesien geplant. In jedem Hafen planen wir zirka 20 Tage zu sein, während dieser Zeit konzentrieren wir uns auf lokale Probleme, wie Abholzung, Zugang zu Trinkwasser, Unterernährung. Zudem arbeiten wir mit lokalen Forschern und Erfindern zusammen, die ihre technologischen Ideen an Bord installiert werden. Das wird ihr innovativer Beitrag in unserem Ökosystem sein. Ein Beitrag, der uns während der gesamten Reise begleiten wird und sie übernehmen somit eine aktive Rolle in der Verwirklichung dieses globalen Projekts.

Wer ist Teil des Projektes und welche wissenschaftlichen Daten werden erhoben?

Während der Expedition werden wir Daten über die Effizienz der Low-Technologie und auch über die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers sammeln. Wir werden dabei von Experten in unserem Low-Tech Lab begleitet, darunter ein Ethnobotaniker und ein Ernährungsberater, die unseren Gesundheitszustand überwachen werden und unsere Ernährung versuchen zu optimieren. An Land zählen ausserdem zu unseren Partnern, die Explore Foundation und der berühmte Segler und Navigator Roland Jourdain. Der Fernsehkanal ARTE wird uns verfolgen, um eine Miniserie in 15 Episoden zu produzieren, die im Jahr 2017 ausgestrahlt wird.

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© Low Tech Lab

Welche sind ihrer Meinung nach, die kurzfristigen Maßnahmen, die am dringendsten ergriffen werden müssen, um den Prozess der Erderwärmung zu verlangsamen? Und wie kann das Vorhaben “Nomade des Mers” dazu beitragen?

Aus technischer Sicht sollte das Recht auf die Grundbedürfnisse, wie Zugang zur Energieversorgung, Nahrung und Wasser, lokal verwaltet werden. Auf diese Weise können wir das Bewusstsein der Bevölkerung in Bezug auf ihre sozialen Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen und die Biodiversität erhöhen. Kurzfristig, um eine Politik der Sensibilisierung vorantreiben zu können, ist ein Mehrbedarf an Ressourcen für Forschung, Entwicklung und Verbreitung von technischen Lösungen notwendig, die die Notwendigkeiten der lokalen Grundbedürfnisse verfolgen.

Dann müssen wir unserem “Wettlauf zum Wohlstand” eine andere Richtungsweise geben. Hinsichtlich der Gründe, die Menschen antreibt, ein besseres Leben zu erstreben, sollte mehr Platz für Ideale, wie Respekt und Einfühlungsvermögen für und mit der Natur, Respekt unserem eigenen Körper gegenüber, Einfachheit, Selbstlosigkeit und Spiritualität, sein.

Ich bin davon überzeugt, dass das Verständnis des persönlichen Nutzens einer anderen Lebensweise, eine positive Veränderung in der Haltung der Menschheit erzeugen kann. Und genau auf der Grundlage von diesen Überlegungen haben wir das Projekt Low-Tech-Lab gegründet.

Wie bereiten Sie sich momentan auf die Reise vor?

Ich arbeite sehr viel, auch weil wir unter Zeitdruck stehen, was die Planungen der Abreise betrifft.

Wer und was hat Sie in ihrem persönlichen Leben dazu inspiriert und motiviert, das Projekt “Low Tech Lab” ins Leben zu rufen?

In den sechs Monaten der “Gold of Bengal Expedition” habe ich versucht, autark zu arbeiten, aber vergeblich, trotz meines “MacGyver-Temperament”, respektvoll mit Menschen und der Umwelt umzugehen, und trotz meines Ingenieurstudium! Ich habe festgestellt, dass für Millionen von Menschen, die abgeschieden leben, es sehr schwierig ist, einfach nur ihre Grundbedürfnisse zu decken, unabhängig von Bildung oder Kreativität … und ich erkannte, dass all dies nicht genug ist, und dass es notwendig ist, zu teilen!

Was bedeutet Abenteuer für Sie?

Das Abenteuer ist, was ich sehe, wenn ich meine Komfortzone verlasse und wenn ich die darauffolgenden Ereignisse nicht vorhersagen kann …

Und von Mark Twain stammt das Zitat: “They did not know it was impossible so they did it” und oft hat mich dieses Motto in meinem Leben begleitet und inspiriert. Funktioniert diese Aussage auch für Sie oder haben Sie ein anderes Motto?

Dieses Zitat gefällt mir sehr … etwas “naiv” zu bleiben und nicht auf die Personen hören, dir mir sagten “das kann nicht funktionieren”, hat sicher viele meiner Projekte gerettet. Und außerdem erzeugt Optimismus wirklich unglaubliche Motivation. Ich glaube, falls Kolumbus gewusst hätte wie schwierig seine Reise sein würde, möglicherweise wäre er niemals in See gestochen.

Was wäre Ihr persönlicher Erfolg in dieser Mission?

Wenn meine Hühner Eier an Bord legen, dann werde ich sehr stolz sein.

Zum Schluss, eine Frage, die Ihnen ein 11-jähriges Mädchen stellt: “Wusstest Du schon als kleiner Junge, das Du Ingenieur werden wolltest?”

Nein, ich wusste nicht, dass ich Ingenieur werden wollte. Ich entschied mich für dieses Studienfach, weil ich Interesse in verschiedenen Bereichen hatte. Meine “Gold of Bengal Expedition” im Jahr 2013 war in gewisser Weise ein Sprungbrett für meine zukünftige Projekte. Heute bin ich wieder auf dem Meer unterwegs, aber dieses Mal mit vier Hühnern, Insekten, Algen, anderen Abenteurern und einem größeren Boot für eine größere Reise!

Ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen und ihrem Team, alles Gute, viel Erfolg und Mast- und Schotbruch.

GOLD OF BENGAL EXPEDITION

Navigateur et aventurier français, Yves est venu au Bangladesh depuis la France a bord d’une peniche qu’il a transformee sur place en hôpital flottant. Avec sa femme Runa, cet «entrepreneur humanitaire» a cree l’association Friendship et le chantier naval Tara Tari qui depuis 15 ans viennent en aide a des milliers de Bangladeshis. Yves apporte au projet son experience de navigateur et sa grande connaissance du Bangladesh. C’est sur le chantier naval moderne TaraTari qu'est ne le projet « Gold of Bengal » : la construction d'un voilier prototype fait a 100% en composite a base de fibre de jute, une premiere mondiale. Sous le regard de Roland Jourdain, parrain du projet, Marc Van Peteghem (VPLP) et Yves Marre (Presidents de l’association Watever), ce bateau est l'aboutissement de 3 ans de recherches pour une equipe de 8 jeunes ingenieurs.

Moule3_(c)GOBEchantillion de jute tisse par les ingenieurs du projet Gold of Bengal. Ary Pauget est l'ingenieur textile qui suit le protocole de fabrication. Gold of Bengal developpe au Bangladesh un nouvel eco-materiau a base de fibre de jute baptise le "Pat". Ce materiau presente un double interêt : Il repond a un enjeu ecologique global (la necessite de trouver une alternative ecologique a la fibre de verre) et il resout un probleme economique et social local : La revalorisation de l'industrie du jute au Bangladesh. C’est sur le chantier naval moderne TaraTari qu'est ne le projet « Gold of Bengal » : la construction d'un voilier prototype fait a 100% en composite a base de fibre de jute, une premiere mondiale. Sous le regard de Roland Jourdain, parrain du projet, Marc Van Peteghem (VPLP) et Yves Marre (Presidents de l’association Watever), ce bateau est l'aboutissement de 3 ans de recherches pour une equipe de 8 jeunes ingenieurs.

14 Poule mouillée _ (c) Gold of Bengal

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C’est sur le chantier naval moderne TaraTari qu'est ne le projet « Gold of Bengal » : la construction d'un voilier prototype fait a 100% en composite a base de fibre de jute, une premiere mondiale. Sous le regard de Roland Jourdain, parrain du projet, Marc Van Peteghem (VPLP) et Yves Marre (Presidents de l’association Watever), ce bateau est l'aboutissement de 3 ans de recherches pour une equipe de 8 jeunes ingenieurs.

En 2010, Corentin de Chatelperron a pris la mer durant six mois a bord d'un petit bateau de pêche a la voile orange, ralliant le sud du Bangladesh au port de La Ciotat. Sans experience de la navigation en solitaire, il a brave les tempêtes et les pirates. Un exploit qu'il a relate dans un livre, L'aventure de Tara Tari (La Decouvrance). Aujourd'hui, il est le maitre d'oeuvre du projet Gold of Bengal. C’est sur le chantier naval moderne TaraTari qu'est ne le projet « Gold of Bengal » : la construction d'un voilier prototype fait a 100% en composite a base de fibre de jute, une premiere mondiale. Sous le regard de Roland Jourdain, parrain du projet, Marc Van Peteghem (VPLP) et Yves Marre (Presidents de l’association Watever), ce bateau est l'aboutissement de 3 ans de recherches pour une equipe de 8 jeunes ingenieurs.

Weitere Infos: Nomade des Mers

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By | 2017-09-29T14:46:48+00:00 febbraio 2nd, 2016|Categories: DEUTSCH, INTERVIEWS|0 Comments

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