RomaOceanWorld | Die ersten 100 Tage auf See

Die ersten hundert Tage auf See des Soloseglers Matteo Miceli

Einhand um die Welt auf der gleichen Route der Vendée Globe, aber an Bord seiner ECO40. Unter Deck befindet sich ein Gemüse-Gewächshaus und ein Huhn. Das zweite ist leider gestorben, aber die Versorgung mit frischen Eiern ist immer noch gesichert. Kein Tropfen fossiler Brennstoff wurde an Bord genommen und die vollständige Energieversorgung wird durch 18 Solarzellen, einer Wasserkraftturbine und zwei Windkraftgeneratoren garantiert.

Auf der Route zum Kap Horn

Am 26. Januar 2015 waren es genau 100 Tage, an denen Matteo Miceli und seine ECO40 Segelyacht, den Heimathafen in Civitavecchia/Italien verlassen haben, um sich auf die gleiche Route der Vendée du Globe zu begeben.  Genau am 19. Oktober 2014 begann das Segelabenteur des 44jährigen Seglers und Navigators in Riva di Traiano, dem Yachthafen der italienischen Stadt Civitavecchia, zum Start seiner RomaOceanWorld und der dreifachen Herausforderung: Allein auf einem 12-Meter-Segelboot ohne Zwischenstopps und Assistenz um die Welt zu segeln, und dabei keine fossilen Brennstoffe zu verwenden, sondern sich nur auf Wind und Sonne zu verlassen, und schließlich, was die Ernährung und  Verpflegung betrifft, autark zu sein. Die Trinkwasserversorgung wird durch eine manuelle Entsalzungsanlage garantiert, die Meereswasser in Trinkwasser umwandelt und für alle Funktionen, einschließlich der Wasserversorgung von Huhn oder Gemüsegarten verwendet wird. Außerdem ermöglicht eine hochprofessionelle Angelausrüstung den Fischfang während dieser Reise.

7feb1

Die Hühner an Bord – Bei seiner Abreise waren es zwei – eine weiße und eine braune Legehenne. Jetzt ist nur noch die Braune an Bord. Leider, kurz vor Weihnachten, verstarb plötzlich die Weiße. “Vor genau einem Jahr hatte ich begonnen für dieses Projekt an Bord meines Bootes zu arbeiten. Es hätte heute ein schöner Tag werden sollen und leider ist es ein sehr trauriger geworden” berichtete Matteo über die sozialen Netzwerke. Er gab zu verstehen, dass er sogar ein paar Tränen verdrückt hat, als wenn ein geliebtes Haustier, wie ein Hund oder eine Katze verstorben wäre. “Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine Probleme. Das weiße und braune Huhn mit den Namen La Bionda (“Die Blonde”) und La Mora (“Die Brünette) legten regelmäßig ein Ei und zeigten keine Anzeichen von Seekrankheit, sogar als wir in wirklich schwierigen Situationen waren. Zum Scherz sagte ich den Menschen, die mich verfolgen, kein Wunder, sie kommen aus Livorno (Anmerkung: Die Bewohner der Stadt Livorno gelten als hartnäckig und nehmen selten ein Blatt vor den Mund) und generell sind Hennen sehr resistent.” So resistent wie das Boot von Matteo Miceli, eine Klasse 40-Segelyacht mit dem Namen ECO40, die abgesehen von einem Problem – das zwischenzeitlich gelöst wurde – mit einem Ruder, das aber alle Atlantikstürme und sogar die Roaring 40 im südlichen Indischen Ozean überlebt hat.

7feb3

130 Stundenkilometer – Vor der Abreise habe ich mir eine Vorstellung von der mächtigen Kraft der Ozeane gemacht. Aber ich bin immer noch beeindruckt. So starke Wellen und Winde habe ich noch nie erlebt” kommentierte Matteo. Mit dem Flügelrad-Anemometer wurden manchmal auch 70 bis 80 Knoten (mehr als 130 km/h) gemessen. Die ECO40 ist nicht nur das Boot eines Solo-Seglers, sondern auch eine echte Wetterstation, die alle gesammelte Daten zur Universität La Sapienza in Rom überträgt. Dazu zählen die wichtigsten Wetterdaten, die Luft- und Wassertemperaturen, die Geschwindigkeit der Meeresströmung, das Belastungsverhalten von den verwendeten Werksverbundstoffen und sogar die Höhen der Wellen in der Antarktis, die bisher noch nie gemessen worden sind. Alle Daten werden dank einer speziell konzipierten Software, die sich wie eine Black Box verhält, gesammelt. Diese sehr wichtigen Daten werden nach der Rückkehr von Matteo Miceli für wissenschaftliche Zwecke analysiert. Die einzigen Daten, die nicht gesammelt werden können, sind jene Werte der Verschmutzung, insbesonders durch Plastik, aber auch ölteppiche, die Matteo auch an verlassenen Orten im Ozean zwischen Australien und Neuseeland angetroffen hat. An diesen Orten ist es auch möglich, das zwei bis drei Tage lang, Windstille herrscht. “Aber immer noch besser, als in Mitten der Eisberge zu steuern, die am 50. Breitengrad Süd anzutreffen sind” erklärt Miceli. Jetzt bereitet er sich  jetzt auf Kap Horn vor. Und das wird der Wendepunkt seiner Reise sein. Diese Weltumsegelung liegt vierzig Jahre hinter jener von Ambrogio Fogar, der die Welt in mehr als einem Jahr allein an Bord der aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Slup “Surprise” umrundete. “Ich war viel zu jung, damals war ich gerade erst vier Jahre alt. Aber ich habe oft an ihn denken müssen. Fogar war ein Vorläufer. Damals steuerte man ein Segelboot ohne all das technologische Equipment, das uns heute zur Verfügung steht. Es gab gerade mal ein Funkgerät an Bord. Es war alles viel schwieriger und Fogar hat meine volle Bewunderung. Ich hoffe, dass auch ich etwas leisten kann, Ich habe jetzt die Hälfte der Strecke zurückgelegt und ich denke, dass ich somit, die Route für eine zukünftige Regatta um die Welt, eventuell im Jahr 2018, auf solchen Booten gekennzeichnet habe. Es gibt viele italienische Solo-Segler, die bereits bereit dafür wären.”

7feb

Die Nordwestpassage“Falls ich so schlank wieder zurückkomme, wie ich vor einigen Jahren war, dann werde ich an einem Triathlon teilnehmen. Danach möchte ich meine Technik mit dem Gleitschirm verbessern, den Kilimangiaro besteigen und eine lange Reise mit dem Fahrrad absolvieren. Aber nach meiner Rückkehr werde ich zunächst einmal, gemeinsam mit Freunden, durch die Nordwestpassage segeln. Und dann träume ich noch davon, an der Vendée Globe teilzunehmen. Aber dafür benötige ich ein größers Boot als meine ECO40 und ein ausreichendes Budget.” Aber das alles erst, nachdem die ECO40 wieder an Land im Hafen von Riva di Traiano gehoben wurde. Zu diesem Zeitpunkt wird Matteo Miceli alle drei Mini-Sektflaschen getrunken haben, die ihm bei seiner Abreise von Pasquale de Gregorio übergeben wurden, einem der wenigen Italiener, die eine Vendée Globe abgeschlossen haben. Alle drei Flaschen haben ein Etikett mit einem Datum. Eines für die Äquatorüberquerung aus Norden kommend und das war am 16. November 2014. Die Zweite wird am Kap Horn geöffnet und die dritte wird am Äquator auf seinem Weg zurück entkorkt werden. Aber wie es die Tradition verlangt, wird es eine wirklich riesige Flasche am Ende seines Abenteuers geben, und das wird voraussichtlich Ende März/Anfang April 2015 sein. Dann wird Matteo Miceli mit seiner ECO40 eine Spur von über 27.000 zurückgelegten Seemeilen hinterlassen haben.

26gen

Alle Fotos: Matteo Miceli (www.matteomiceli.com)

Please follow and like us:
By | 2017-09-29T14:48:58+00:00 gennaio 26th, 2015|Categories: DEUTSCH, STORIES|0 Comments

About the Author:

Leave A Comment

Utilizzando il sito, accetti l'utilizzo dei cookie da parte nostra maggiori informazioni

Questo sito utilizza i cookie per fornire la migliore esperienza di navigazione possibile. Continuando a utilizzare questo sito senza modificare le impostazioni dei cookie o cliccando su "Accetta" permetti il loro utilizzo.

Chiudi